3. März bis 16. März 2010

 

Mittwoch, 3. März 2010

 

Für Martin war es wohl wieder kein so guter Tag, er weinte in einer Tour. Seine KG hat Kontakt zu einem holländischen Therapeuten, mit dem sie über Martins Situation diskutieren will, in der Hoffnung, auf neue Möglichkeiten, ihn wieder zu ein wenig Bewegung zu bringen.

 

 

Donnerstag, 4. März 2010

 

Ab Juli wird Martin nur noch sein Taschengeld über das Sozialamt beziehen. Er ist dann ein Jahr krank geschrieben, nach Entlassung aus dem KKH und bekommt kein Krankengeld mehr, das sowieso vom Sozialamt kassiert wurde, da er nicht mehr arbeitsfähig ist und noch keine vier Jahre gearbeitet hat.

 

Heute jedenfalls freut sich Martin auf die Pannenshow in Super RTL. Eine, seiner Lieblingssendungen. Über diese Filmchen kann er immer noch so herzhaft lachen.

 

 

Freitag, 5. März 2010

 

Kaum zu glauben, aber wieder mal ist nur eine Kraft alleine im Dienst auf der Gruppe. Arme Siggi, sie ist nur am Rennen. Die FSJlerin hat sich krank gemeldet und der Praktikant, der einspringen wollte, kam einfach nicht.

 

Wir haben Martin dann selber zu Bett gebracht um Siggi  wenigstens etwas abnehmen zu können. Es tut auch gut, Martin so ab und an wieder ins Bett zu bringen und mit ihm dabei zu knuddeln, so wie früher.

 

Die Personalpolitik in dieser Einrichtung ist mehr als fragwürdig und traurig für Bewohner und Mitarbeiter. Niemand versteht es wirklich und die älteren Bewohner und Mitarbeiter wünschen die guten, alten Zeiten zurück wo ein sinnvolles, bewohnerorientiertes Arbeiten noch möglich war.

 

 

Samstag, 6. März 2010

 

Ein neuer Wintereinbruch. Keine Ahnung wie viel  cm Schnee wieder gefallen sind, Jürgen hat  etliche Male unseren Bürgersteig und Weg zur Haustür gefegt am Vormittag.

 

Martin lag im Bett und hatte einen nicht so guten Tag. In einer Tour musste er wieder abgesaugt werden. Ich hoffe, dass Melli es gut hin bekommt, Martin im Auge zu behalten. Siggi wusste heute Morgen schon nicht wirklich, wie sie am sinnvollsten arbeiten kann mit immer wieder solchen Ausnahmen, die noch mehr Arbeit machen.

 

 

Sonntag, 7. März 2010

 

Ein kalter Sonntag und die Straßen sind auch nicht gut befahrbar. Gut, dass wir zu Martin nur 6 km haben. 10 Grad minus und das auch noch, in den nächsten Tagen.

 

Martin geht es nicht gut. Soviel Schleim hat er noch nie abgesondert. Es ist kaum noch zu schaffen für das Personal. Im Normalfall ist eine ausgebildete Kraft und ein Praktikant oder eine FSJlerin in einer Schicht. Aber es kommt auch sehr häufig vor, dass einfach nur eine Kraft da ist, für 12 Bewohner.

 

 

Montag, 8. März 2010

 

Nun wollen wir es angehen, eine Schluckdiagnostik bei Martin durchführen zu lassen.

 

Die Logopädin und Melanie vermuten, dass das Tracheostoma die hohe Schleimbildung fördert, sowie den Brechreiz.

 

Martin wird mit Angst und Panik reagieren, Krankenhaus ist der Horror überhaupt für  ihn, nun noch heftiger.

 

Wahrscheinlich werden wir dafür das Katharinenhospital nach Stuttgart ansteuern müssen, da hier in der Gegend keine Möglichkeit für eine Schluckdiagnostik zu sein scheint.

 

Martin hatte heute 37,7 Temperatur, hoffentlich entwickelt sich nicht wieder eine Lungenentzündung. Davor haben wir alle Angst.

 

 

Dienstag, 9. März 2010

 

Besuch von Frau Hochstetter, die immer die News aus Tamm erzählt, aber Martin ist nicht gut drauf, er weint in einer Tour. Alle acht  Minuten muss er abgesaugt werden.

 

Ich  hoffe auf die Wirkung des Salbeitees und des Mucosolvansaft.

 

Ein Bewohner der Gruppe zieht in ein anderes Pflegeheim, das entfernungsmäßig günstiger liegt für die Familie.

 

Die Stimmung in der Gruppe ist deswegen gedrückt und traurig. Mir tut der junge  Mann auch leid, er kann diesen Wechsel nicht verstehen und fühlt sich in der Gruppe wohl.

 

 

Mittwoch, 10. März 2010

 

Heute erscheint mir die Schleimbildung minimal zurückgegangen zu sein. Martin lacht wieder etwas mehr, vor allem über den Streit von zwei großen Buben aus der Gruppe.

 

Die Pastorin kam zu Besuch. Sie freute sich über Martins Lächeln und dass Steffi schon des Öfteren alleine in den Gottesdienst kam. Raffael kommt auch oft—welch biblischer Grund für Steffi.

 

Hoffentlich ist Martin nächsten Dienstag wieder so fit, dass er zum Himmelszelt gebracht werden kann. Es tut ihm so gut, endlich wieder mit dabei zu sein.

 

Gestern meinte Melanie zu uns, Martin hätte eine extrem schlechte Zeit in den letzten Wochen. Ob uns das auch auf gefallen wäre.

 

Wirklich gut ging es meinem Kind seit April 09 nicht mehr.

 

 

Donnerstag, 11. März 2010

 

Der Doc will Martin keine Antibiose verordnen, da er Bedenken hat wegen einer Resistenz. Damit hat er sicher Recht, aber Martin geht es so elend und die Mitarbeiter haben einfach nicht rund um die Uhr die Zeit, Martin ständig im Auge zu haben.

 

 

Freitag, 12. März 2010

 

Heute war wieder ein kompletter Weintag für den kleinen Hasen, er fühlt sich so elend und es ist kaum möglich, ihn zu trösten. Es wird nicht mehr ohne Antiobiotika gehen.

 

 

Samstag, 13. März 2010

 

Jürgen hat heute einige Medis, die ohne Verschreibung möglich sind, aus der Apotheke besorgt, in der Hoffnung, dass wenigstens das so intensive Schleimen wieder besser wird und das Übel der Sache von den pflanzlichen Mitteln erreicht wird.

 

Inzwischen gehe ich sehr ungerne wieder nach Hause und würde am liebsten 24 Stunden am Tag bei Martin bleiben.

 

Ich weiß dass es für mich nicht gut wäre und ich auch versuchen muss, zur Ruhe zu kommen.

 

Hin und her gerissen bin ich in mir selber.

 

 

Sonntag, 14. März 2010

 

Martin geht es immer noch mies. Wieder musste er am Nachmittag liegen bleiben, weil er einfach nicht mehr konnte, kein bisschen Kraft mehr hatte. Er will uns in seiner Nähe wissen, wir sollen einfach nur da sein für ihn.

 

Nachmittags bekam er Besuch von einer Bewohnerin der Einrichtung, die Martin sehr bedauert, weil sie ihn früher immer so fröhlich und kommunikativ erlebt hat.

 

Sein Lächeln berührt sie noch heute. Wie schön, dass er wenigstens wieder Lächeln und Lachen kann.

 

Im Moment findet er es witzig, dass er wahrscheinlich seinen Papa angesteckt hat mit der dummen Husterei. Wenigstens dazu war es dann gut.

 

 

Montag, 15. März 2010

 

So einfach, wie wir uns die Schluckuntersuchung vorgestellt haben, ist es nicht.

 

Erst müssen wir mit Martin zum HNO und von dort eine Überweisung für das Katharinenhospital Prof. Sittel. Bei einem Termin entscheidet der Prof. welche Untersuchung möglich sein kann für Martin und dann gibt es einen neuen Termin.

 

Wir können Martin nicht transportieren und drei Tage sind für Melanie auch zu viel Zeitverlust für die Gruppe.

 

Martin muss es ohnehin erst mal wieder besser gehen.

 

Heute hat der Doc. sich wohl doch für die Verordnung von Antibiose entschieden. Alvalox. Mit diesem Antibiotika wurde Martin aus dem KKH entlassen im Juli 2009.

 

Martin lag wieder im Bett als wir kamen, aber vielleicht hilft ihm die Ruhe sich etwas zu regenerieren.

 

 

Dienstag, 16. März 2010

 

Schon wieder nur eine Kraft alleine im Dienst. Wie soll Martins Versorgung nur sicher laufen? So ist es doch gar nicht mehr möglich. Kann alles nicht wahr sein.

 

Martin hustet ohne Ende, quält sich, will nur im Bett liegen und getröstet werden.