Das erste Mal ohne Kinder

es tut schon ein bisserl weh

Als die Adventszeit begann, wurde ich wieder- intern, tief in mir -ständig darauf gestoßen, dass ich nun keine Kinder mehr im Haus bei mir wohnen habe.

 

In mir kam einfach keine rechte Weihnachtsstimmung auf. Niemand zu Hause wollte, dringend und drängelnd , die Weihnachtsdekorationen aufhängen und niemand wollte, wie üblich tonnenweise ,Kekse mit mir backen und Weihnachtslieder singen, den lieben langen Tag. Alles war nun so völlig anders. Diese ganz besondere, geheimnisvolle Stimmung im Advent , die Kinder in das Leben einbringen, fehlte mir völlig zu Hause.

 

Unser kleines Haus war nun so leer und ruhig und es kam mir trotzdem so riesig vor, keine zwei Maschinen Wäsche mehr pro Tag und selbst das muntere Chaos, das ansonsten regelmäßig im Hause herrschte, war begrenzt auf ein ziemlich normales Niveau.

 

Ich raffte mich auf und begann trotzdem wie in jedem Jahr, kurz vor dem 1.Advent, mit dem Anbringen einiger Lichterketten im Außenbereich, aber ich hatte keine rechte Freude daran, als die Lichter endlich leuchteten. Irgendwie wirkte es kälter und dunkler auf mich , und mit jedem Tag wurde ich trauriger. Meine drei Kinder fehlten mir einfach sehr.

 

Nun muss ich mich wohl endlich damit abfinden, ich werde alt und meine Kinder sind nun mal erwachsen und ich muss sie ja sinnvoller Weise gehen lassen und auch ihr anderes Leben, ohne mich, akzeptieren können.

 

Fühlt sich so dieses Leerenestsyndrom an? So etwas wollte ich doch nie haben. Konnte es mir auch gar nicht vor stellen, dass ich auch damit Probleme bekommen sollte.

 

Dann fing Martin bei unseren Besuchen auf einmal an zu jammern, er wolle wieder nach Hause zurück kommen und ich fühlte mich so entsetzlich hilflos, mein Kind tat mir in der Seele so unsagbar leid in seinem Heimweh.

 

Wir sprachen darüber, dass wir überlegen wollen, ob Steffi und Martin von nun an vielleicht die Wochenenden wieder regelmäßig zu Hause verbringen können, wenn sie sich dann ohne Probleme am Sonntagabend wieder zurück zur Einrichtung bringen lassen. Den ersten Teil der Umstellungsphase haben wir ja nun geschafft.

 

Aber im Nachhinein wurde mir klar, dass wir Martin nicht wirklich einen Gefallen mit solch einer Wochenendregelung tun würden.

 

Bei ihm begann nun wahrscheinlich , etwas verspätet, nachdem der Reiz des Neuen nach gelassen hatte, die Erkenntnis, dass das Leben in der Einrichtung kein so ganz bequemes Leben  wie zu Hause ist, obwohl es dies eigentlich sein sollte.

 

Mir ging es immer noch schlecht mit diesem Schritt, die Kinder in eine Einrichtung über zu siedeln und Martin begann nun auch, zeitversetzt, sich damit aus einander zu setzen.

 

Wir haben uns ja immer wohl gefühlt miteinander. Eigentlich hätte es immer so weiter gehen können.

 

Weihnachten und Silvester waren etwas getrübt, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass wir die Kinder am 1. Januar wieder zurück bringen, in ihre Gruppe.

 

Steffi hat in der Tat für sich, recht schnell, die Vorteile erkannt, nicht mehr zu Hause zu leben. Sie tut nun das, was sie immer gerne ausschließlich getan hätte, und woran sie nun nicht mehr gehindert wird. Sie hängt nur noch vor dem Fernseher, sitzend und malend, oder stehend. So ist sie eine bequeme Bewohnerin für die Gruppe und mir stehen die Haare zu Berg.

 

Die ganze Arbeit und Liebe, Steffi in einen sinnvollen Tagesablauf zu integrieren sollen  umsonst gewesen sein?

 

Zwar geht sie zur Werkstatt arbeiten, versucht aber sehr oft, schon nach der Mittagspause, sehr energisch und bockend, nicht mehr zurück gehen zu müssen, zur Arbeit. Sie will sich zurück ziehen, in ihr Zimmer und für nichts mehr etwas tun müssen.

 

Martin hat nun Niemanden mehr, der ihn bittet und anleitet mit dem von ihm so abgelehnten Talker zu kommunizieren und somit hat sich dieses Thema wohl leider auch erledigt. Es würde zusätzliche Arbeit machen und somit ist wohl auch Jeder froh, dass Martin mit dem Sprachcomputer nichts mehr zu tun haben will. Der Talker wird so halt einfach weg ignoriert.

 

Auch Jürgen und ich bekommen Martin nicht mehr dazu, den Talker ein zu setzen.

 

Es tut weh auch hier zu sehen dass die mühevolle Arbeit und der Einsatz so vieler Menschen, in all den Jahren, umsonst war. Obwohl es so wichtig für meinen Sohn wäre, sich über den Talker mit jedem Menschen unterhalten zu können. Er könnte es um ein Vieles einfacher haben und er könnte sich bei jedem Menschen wirklich verbal verständlich machen mit diesem Hilfsmittel.

 

Nun hoffe ich sehr, dass vielleicht doch, irgendwann , Jemand in der Gruppe anfängt zu arbeiten, der Spaß an Computern hat und von dem Martin sich wieder zu seinem Talker hin führen lässt.

 

Einige ältere Bewohner der Einrichtung erzählen uns traurig und resignierend , wie sich die Betreuung und der Einsatz, die Angebote im Laufe der Jahre verändert haben, das Personal immer weniger wird, die einstige positive Lebensqualität durch Sparmaßnahmen und Einschnitte immer weiter verloren geht.

 

Ein trauriges Bild obwohl unter besserer personeller Ausstattung auch in einer Einrichtung ein wirklich erfülltes Leben gelebt werden könnte.

 

Diese unterschwellige Unzufriedenheit müsste es eigentlich gar nicht geben.

 

Und doch, im Gegensatz zu den meisten Altenpflegeheimen ist das Umgehen und Arbeiten in einem reinen Behindertenheim noch sehr human finde ich.

 

Mein Traum, endlich mal im Lotto zu gewinnen und somit den Lebensmittelpunkt frei entscheiden zu können, bekommt einen sinnvollen Grund. Es gibt ja noch ein paar wenige Einrichtungen in Deutschland, die es irgendwie schaffen, eine wirklich gute Qualität zu erhalten und wenn wir etwas Geld hätten, könnten wir freier mit unserer aller Leben und der Planung für die Zukunft umgehen.

 

Ein Traum, der wohl immer ein Traum bleiben wird. Immerhin, wir spielen Lotto und geben dem Glück somit wenigstens eine reelle Chance uns erreichen zu können.

 

Immer noch kämpfe und hoffe ich um eine kleine Festanstellung in der Nähe um wenigstens den Krankenkassenbeitrag nicht mehr aus unserem spärlichen Budget tragen zu müssen.

 

Im Schnitt brauchen wir für Steffi und Martin so 300Euro im Monat. Für Einkäufe, kleine Unternehmungen, Spritkosten usw.

 

Bislang waren meine Bemühungen in Punkto Bewerbung leider immer noch vergebens.

 

Die letzten fünf  Jahre habe ich hier im Ort nur ehrenamtlich gearbeitet und mir fehlen so auch die üblichen Fortbildungen, dann noch mein Alter von 54 Jahren, so ganz gesund bich ich auch nicht mehr und mein Marktwert geht wohl immer weiter den Bach runter.

 

Über diesen Umstand bin ich sehr traurig und es zehrt an mir.

 

 

 

Februar 2007

Gestern Nachmittag haben wir Steffi und Martin, wie üblich, besucht.

 

Sie scheinen beide inzwischen wirklich gut mit der neuen Lebenssituation klar zu kommen.

 

Freudig wurden wir begrüßt und es war auch okay, dass wir nach zwei Stunden wieder gegangen sind. So entwickelt sich langsam Annahme und Abnabelung auf beiden Seiten.

 

Letzen Samstag haben wir zusammen etwas unternommen,( es lief ganz normal ab, so wie immer, wenn wir etwas unternehmen) wobei Steffi wohl nur mit kam, da zusätzlich der Besuch in der Filiale einer Imbisskette angesagt war, am Sonntag wollte sie lieber vor der Glotze, in ihrem Zimmer hängen und keinen Schritt vor die Tür gehen während Martin bei seinem Zimmernachbarn das Formel 1 Rennen anschauen wollte.

 

Irgendwie muss ich wohl kein schlechtes Gewissen mehr haben, ganz eindeutig, meine Kinder fühlen sich nicht mehr unwohl in der Gruppe, in der neuen Lebenssituation.

 

Und da sind wir dann bei einem Punkt, der mir nicht so sehr gefällt und mir immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Steffi kommt zu den Mahlzeiten zwar in den Essraum und sitzt ansonsten, nach wie vor, immer noch, vor dem TV Gerät. Zwar malend, sie hat schon immer sehr viel und gerne gemalt, aber mehr macht sie dann halt nicht mehr. Auch nicht, wenn wir mit den Hunden da sind und mit Steffi raus gehen wollen. Gestern war dann z.B. die Ariel DVD , die sie schon so oft angeschaut hat, wichtiger, als etwas Bewegung zusammen mit den Hunden und mit uns.

 

Martin kam gerne mit uns raus, eine kleine Runde gemeinsam über Feld und Fahrradweg drehen, das heißt, er düste mit seinem E-Rolli auf Höchststufe vorweg, und wir haben versucht ihn wieder ein zu holen. War sicher für eventuelle Zuschauer ein belustigender Anblick. Für uns und die Hunde , wir sind ja Allesamt nicht mehr Jüngsten , etwas zu hektisch. Naja, irgendwann müssen ja auch wir zu einem Fitnessprogramm bewegt werden.

 

Das macht sich besonders bei solchen Aktionen schon bemerkbar, wenn es um ein höheres Tempo geht. Martin jedenfalls findet es lustig, wenn er der Schnellere sein kann und uns somit Einiges voraus hat. Es sei ihm von Herzen gegönnt, viel zu oft ist sein E- Rolli zur Reparatur und Einreichen von Verordnung und Kostenvoranschlag bei der Kasse, dauert für solch eine dumme Reparatur etliche Wochen oder sogar Monate bis zur Bewilligung. Für Martin bedeutet dies den Verlust seiner Mobilität und für die Mitarbeiter der Einrichtung und Werkstatt  Mehrarbeit, weil Martin überall hin geschoben werden muss und sich nicht allein fort bewegen kann auf dem Gelände.

 

Ohne Mamas Argusaugen holt sich Steffi übrigens auch Cola aus den Automaten der Werkstatt und Einrichtung. Auf der einen Seite sollte sie Kalorien reduzierte Kost bekommen, sie hat schon sehr schnell, in der Wohngruppe, noch eine Kleidergröße weiter nach oben zugelegt. Und was habe ich immer darum gekämpft, wenigstens diese Zuckerplörre von meinen Mäusen fern zu halten.

 

Martin sitzt dafür total schief in seinem Rolli, weil die entsprechenden Stützkissen nicht so platziert werden, dass er einen besseren Halt hat. Aber okay, ich kenne mein Kind und weiß, dass er mosert, wenn der E-Rolli ausgepolstert werden soll. Er versteht es eben nicht, dass er seinem Rückgrat mit dieser Sitzhaltung auf lange Sicht hin Schaden zufügt.

 

Das sind denn so die Abstriche die ich nun leider machen muss, ich habe es nicht mehr in der Hand, wie so Vieles Andere auch. Außerdem ist mir schon klar, dass mit knapper, personeller Besetzung, diese Kämpfchen nicht ausgeführt werden, weil es ohne halt einfacher und ruhiger ist.

 

Dafür kann ich dann ja wirklich froh und glücklich sein, dass meine Kinder sich so schnell in der Wohngruppe eingelebt haben. Man kann ja nie Alles auf einmal haben.

 

Und was Martin und seinen Job in der WfB angeht, er ist wohl echt der kleine Hahn im Korb dort , und total stolz darauf, endlich in der Werkstatt einen Platz zu haben und richtig arbeiten gehen zu dürfen.

 

Wenn nur ich endlich auch eine passende Stelle finden würde.

 

Ich hatte es mir halt mein Leben völlig anders vorgestellt wenn die Kinder aus dem Haus sind. Zum alten Eisen wollte ich nicht so früh gehören. Und die Tatsache, dass Steffi und Martin über zwanzig Jahre durch das Leben mit uns, Vater Staat wahrscheinlich ganz gut was eingespart hat, und nun nicht mal für die übrig gebliebene, alte Mama, eine kleine, passende Arbeitsstelle zu finden ist, ist schon traurig.

 

Nun ja, ich werde mich weiter um sehen, vielleicht klappt es ja noch, bevor ich die Rente mit 67 beantragen kann. Wären dann ja nur noch 14 bescheidene Jahre.

 

Langeweile habe ich jedenfalls nicht, es gibt so Vieles zu tun überall, so viele Menschen, die Menschen brauchen um etwas mehr Lebensqualität zu haben.

 

Aber das Ehrenamt füllt nun mal unsere leere Kasse nicht auf.

 

 

März 2007

 

So langsam gewöhne ich mich daran, dass wir, meistens jedenfalls; nun ein kinderloser Haushalt geworden sind.

 

Langeweile habe ich nach wie vor nicht , eher viel zu wenig Zeit obwohl ich jeden Morgen, zwar nicht mehr um 4. 30 Uhr, aber immerhin doch um 5.30 aufstehe.

 

Ab und an kommen ein paar Einsätze der Nachbarschaftshilfe und der Hospizgruppe für mich , dann noch regelmäßiger Besuchsdienst, einige Zeit verbringe ich auch am PC , und der morgendliche Spaziergang mit den Hunden fällt nun auch etwas länger aus.

 

Ansonsten habe ich das merkwürdige Gefühl, dass ich in allen Bereichen langsamer geworden bin, für Alles länger brauche und ein großes Bedürfnis danach habe, ganz viel alleine zu sein, mit mir und meinen Gedanken.

 

Ich lasse mein Leben so Revue passieren und würde gerne einige Dinge korrigieren können oder mit Manchem noch mal neu beginnen dürfen.

 

Mir wird bewusst , dass ich früher in einigen Bereichen recht gute Chancen hatte, die ich nur nicht richtig genutzt oder erkannt habe.

 

Dieses Leben geht mir einfach viel zu schnell vorbei, ich habe es doch noch gar nicht so richtig kennen gelernt.

 

 

April 2007

 

 

So kurz vor Ostern will ich mal wieder ein wenig von uns berichten.

Mir geht es inzwischen ganz gut und ich kann damit leben, dass meine "Kleinen" nicht mehr zu Hause sind. Es tut nicht mehr so sehr weh und ich denke nicht mehr jede Sekunde an sie, nur noch jede Minute.


Nach wie vor sind wir Mittwochs kurz in der Einrichtung und es ist vollkommen okay, wenn wir wieder gehen.

Samstags ist meistens unser gemeinsamer Einkaufstag. Steffi und Martin habe ihre kleinen Bedürfnisse, viele Dinge des täglichen Lebens müssen eh privat angeschafft werden , so gibt es immer einen Grund um Einkaufen zu fahren. Dann am Sonntag ,für so 2- 3Stunden ,unternehmen wir meistens etwas, je nach Wetter und Möglichkeit.

 


Nun sollten es neun Tage Osterferien bei uns zu Hause für Steffi und Martin sein. Und ich stelle fest, meine Kinder sind zwar gerne hier, aber sie vermissen nun inzwischen auch ihre Gruppe.


Martin vermisst seinen Freund und Zimmernachbarn Klaus, den wir nun auch schon mal zum Kaffee abgeholt haben, und Steffi, nun ja, sie vermisst, das lockere, faule Leben. Sie muss ja in der Einrichtung nicht mit anfassen, bekommt das Essen vor die Nase gestellt und ansonsten wird sie in Ruhe gelassen.

Dass ich hier zu Hause möchte, dass sie wie früher, ein bisschen mit an fasst und auch mit spazieren geht, mit uns und den Hunden, passt ihr absolut nicht. Sie liegt liebend gerne auf dem Sofa im Wohnzimmer , schaut sich ein Kellyvideo an und das ist dann ihr Tag. Allerdings stets darauf achtend, dass die Mahlzeiten pünktlich angekündigt werden.Es hatte mich ehrlich gesagt schon ziemlich gewundert, dass mein herzallerliebstes Töchterlein, am Mittwoch, fast fünf Stunden am Stück ohne zu maulen, mit uns durch den Stuttgarter Zoo spaziert ist und am besten hat es ihr in dem großen, dunklen Aquarium und im Streichelzoo, gefallen, während Martin die süßen Gorillayoungsters sofort von der Stelle weg adoptiert hätte. Durch die Scheibe haben sie Martins Rollstuhl sehr genau angeschaut. Einfach nur süß. Wie gerne wäre Martin zu ihnen, hinter die Scheibe gerollt. Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, dass sie miteinander, gerade in diesem Alter, eine Menge Spass haben könnten.

 

Nun ja, wir werden sicher bald wieder einen Besuch in der Wilhelma machen können, wenn die Kiddis sich dort so wohl fühlen, auch mit uns Oldies.

Sonntags besuchen wir üblicherweise, er findet alle 14 Tage statt, gemeinsam den Gottesdienst in der Simultankirche der Einrichtung, und ich spüre, wie meine Kinder immer mehr mit der Einrichtung und den Menschen dort verwachsen. Es entstehen Beziehungen und Freundschaften, andere Menschen werden wichtig für Steffi und Martin.

Es sieht gut aus kann ich nun ganz erleichtert sagen. Und dafür, dass der Umzug erst ein halbes Jahr her ist, haben wir uns alle gut arrangiert mit der neuen Situation.

Ich gehe immer gerne in die Gruppe und die meisten Bewohner und Mitarbeiter sind mir sehr ans Herz gewachsen in dieser kurzen Zeit. Wir haben uns aneinander gewöhnt und kennen gerlernt.

 

Vielleicht werden wir Steffi und Martin nun nicht mehr so lange am Stück nach Hause holen, sie scheinen es nicht mehr wirklich zu brauchen.

 

Kurze Besuche zu Hause, einfach mal schauen, ob es noch so aussieht, wie beim letzten Mal, werden ihnen sicher genügen. Wir werden sehen und immer neu entscheiden.

 

Bei unseren Besuchen ist es sicher noch wichtig, dass wir ein paar Dinge erzählt und gezeigt bekommen, dass sie die Hunde sehen und streicheln können, dass eine Umarmung und ein Küsschen, ein" ich habe Dich lieb" , geschehen .

 

Aber so nach und nach, können wir uns wohl ein klein Wenig rarer machen.

 

Steffi kommt immer noch stets mit ihrem Kalender an und ich muss ihr immer zeigen, an welchem Tag wir wieder kommen. Sie kann zwar nicht lesen, aber irgendwie kommt sie mit dem Kalender als Orientierungshilfe gut klar.

 

In der Zwischenzeit haben wir auch einige Eltern anderer Bewohner kennen gelernt. Bewohner, die schon über 50 Jahre alt sind und deren Eltern sich nicht mehr so kümmern können wie früher. Wir gehen auch langsam auf diese Zeit zu und Steffi und Martin müssen wirklich gut und ohne uns leben können wenn es dann soweit ist. Ein trauriger, schmerzlicher Gedanke. Aber auch das macht das Leben aus. Sich verändern müssen.

 

Was ist Zeit? Was ist Veränderung? Was ist das Leben, wenn es doch so schnell vergeht? Wenn wir nichts behalten können und nirgends wirklich bleiben können? Ist jedes Leben nur eine Reise, ein kleiner Zwischenstop?

 

So Vieles geht mir durch den Kopf und ich möchte eines nicht, dass meine Kinder traurig sein müssen, wenn es mich/uns irgendwann nicht mehr gibt auf dieser Welt.

 

Aber vielleicht schaffen sie diese Hürde viel schneller als ich. Ich kann im Moment jedenfalls, noch nicht ganz ohne meine Kinder leben.

 

Ich möchte wissen , wie es ihnen geht, ihnen helfen können, wenn sie mich brauchen und noch möchte ich ihnen auch die Nähe geben, wenn sie diese noch brauchen.

 

Es entsteht die Hoffnung und der Wunsch, dass das Leben meiner Kinder voll und ganz, ohne mich, gut funktionieren kann.

 

Nun bin ich gespannt, welche Entwicklungen und Möglichkeiten bis zum Sommer geschehen.