Dickköpfle

Brigitte Betzel-Haarnagel

Meine Tochter Stefanie (Down Syndrom) inzwischen fast ganze elf Jahre alt und schon immer von Hause aus ein bisserl eigensinnig in ihrem Wesen, scheint sich ernsthaft schnellen Schrittes auf die gefürchtete Pubertätsphase hin zu bewegen.

Zum Leid von allen Menschen, die es mit ihr näher zu tun haben.

Steffi kann wahnsinnig liebevoll und umsichtig sein, aber wehe es geht mal etwas nicht nach ihren Vorstellungen. Und das ist ja des Öfteren der Fall.

Fast ständig wird ihr Anti - und Contraverhalten immer noch einen Tick Schlimmer und intensiver.

Bei gemeinsamen Unternehmungen der Familie - unabhängig von Raum und Zeit - schlägt sie prinzipiell und konsequent einen anderen, als den gemeinsamen Weg ein. Ohne jegliche Rücksicht darauf, dass sie die Gruppe aus den Augen verliert oder an irgendetwas nicht teilnehmen kann.

Holen wir sie zurück oder müssen wir sie aus Sicherheitsgründen an die Hand nehmen, gibt es ein lautstarkes, irre wirkendes Getobe und Geschreie. Manchmal sogar, wirft sich das gute Kind strampelnd auf den Fußboden und ein elfjähriges, kleines Monsterkind bekomme ich alleine schon gar nicht mehr auf die Füße gestellt.

Dieses Verhalten wird bei einem Kleinkind ja immer noch mitleidig lächelnd toleriert aber in unserem Fall braust da ein elfjähriger Wirbelwind auf. Das heißt im Klartext die Zeit des unangenehmen Auffallens hat nun richtig begonnen,

Steffis Getobe ist zwischenzeitlich in allen umliegenden Supermärkten bekannt und so haben sich die gemeinsamen Unternehmungen mit Bekannten und Freunden - sowie früher - erst mal erledigt.

Mein lieber Vater besucht uns seit fast zehn Jahren nicht mehr weil er die lieben Kinderchen nicht ertragen kann. Eingeladen werden wir folglicherweise auch nicht mehr gemeinsam, nur ohne Kinder. So machen wir uns dann höchstens einmal im Jahr auf den Weg zu Opa, immer in der Hoffnung, wir können ihn und seine Lebensgefährtin vielleicht doch mal irgendwann umstimmen und sein Herz für uns gewinnen.

So sitzen wir in unserem schönen Gärtle und beten- bitte lieber Gott, lass diese Phase schnell vorübergehen oder unsere Mitmenschen verständnisvoller werden, dann muss es uns nicht so unangenehm sein, wir können nämlich wirklich gar nichts dafür.