Februar 2003

alles entwickelt sich weiter

Inzwischen geht es uns allen ganz gut hier. Wir haben uns an Vieles gewöhnt und fühlen uns nicht mehr ganz so fremd,nach diesem Fastkulturschock nach dem Umzug.

 

Wenn Steffi nach ihren Freunden gefragt wird, nennt sie immer noch ihre geliebte Schulklasse aus Nortorf, aber es klingt nicht mehr ganz  so traurig wie zu Beginn unserer unfreiwilligen Veränderung.

 

Gott sei dank wird Steffi in diesem Jahr in eine andere Schulklasse wechseln dürfen, es ist nur noch nicht raus, ob vor oder nach den Sommerferien. Steffis derzeitige Lehrerin setzt sich auch sehr dafür ein, weil sie selber sagt, dass es in der Konstellation der Klasse nicht möglich ist, Steffi so zu fördern, wie es für sie am optimalsten wäre. Nun muss alles auf der Chefetage noch abgesegnet werden, aber die Lehrerin ist ganz guter Dinge und sieht dem Geschehen positiv entgegen.

 

Da in Steffis Klasse das Unterrichtsthema Haustiere war, wurden wir eingeladen, mit Gipsy, unserer lieben, steinalten Retrieverhündin dort einen Besuch zu machen. Das haben wir natürlich gerne gemacht und da wir vier Tage vorher aus dem Ludwigsburger Tierheim Familienzuwachs bekommen haben, war dieser Besuch auch für uns ganz spannend.

 

 

 

Ich kann Steffis Lehrerin und die Mitarbeiter der Klasse nur bewundern für ihre Kraft, die sie in ihre Arbeitsstelle investieren muss. Die Schüler zu beschreiben wäre sehr aufwendig, aber es muss Knochenarbeit sein die jungen Menschen zu fördern und zu versorgen. Leichter ist es mit Sicherheit, sich mit Schülern auch mal streiten zu können, hier muss vieles sehr passiv ablaufen.

 

Steffi ist ganz lieb zu ihren neuen Mitschülern, das auf alle Fälle, aber sie können nicht mit ihr rumtoben oder rumalbern. Deshalb freuen wir alle uns darauf, wenn Steffi in eine muntere Klasse kommt und hoffen nur innigst, dass ihr bockiges Verhalten und ihr sich verweigern  dann wieder weniger wird.

 

Sehr intensiv haben wir wieder angefangen, Steffi mit Bachblüten zu behandeln, in der Hoffnung, dass der Knoten irgendwann platzt.

 

Martin fühlt sich nach wie vor wohl in seiner Klasse. Riesenfortschritte macht er im E-Rollifahren. Die Klasse war in Stuttgart zu einer Ausstellung des Malers Edouard  Manet und Martin musste den langen Weg vom Parkplatz,  und in der sehr vollen Ausstellung , mit dem E-Rolli bewältigen. Er hat für sein vorsichtiges und umsichtiges Verhalten ein sehr großes Lob bekommen von allen Lehrkräften.

 

Leider hat er momentan so gar keine Lust mehr, sich weiter mit dem Talker auseinander zu setzen. Er geht lieber an den PC und lässt sich eine Lern CD einlegen. Nun überlegen die PC Fachleute der Schule, ob der Talker erweitert werden soll. Außerdem soll eine Lerngruppe gebildet werden, an der nur Talkerschüler teilnehmen. Ich hoffe, ich kann da mal reinschnuppern.

 

Inzwischen bekommt Martin KG  in der Schule, was dort leider, für alle unverständlich, für Externe Schüler nicht vorgesehen war. Die Internatsschüler bekommen ihre KG nachmittags in der Gruppe. Aber das konnten wir nun erwirken, vor allem auch, weil Martin nachmittags nicht mehr bereit ist, in einer KG Praxis mit zu arbeiten. Er ist verständlicherweise nach all den Jahren des beturnt werdens inzwischen therapiemüde.

 

Am nettesten hier in Tamm ist übrigens unsere Postbotin zu uns allen. Sie kam auch schon mal vorbei und hat Steffi eine tolle Zeitungsendrolle zum malen und Martin einen Stapel Autozeitungen geschenkt. Wenn wir uns sehen , unterhalten wir uns immer lange und die Hunde bekommen sogar Leckerlis von ihr.

 

Im März kommt unser Papa endlich in eine andere Abteilung, in der er sich aufgaben mäßig auch wohl fühlen wird. Das war bislang ja auch nicht ganz so prickelnd.

 

Ich mache immer noch meine Einsätze bei der Nachbarschaftshilfe und freue mich wahnsinnig auf den Frühling. Schnee kann ich bald nicht mehr sehen. Einen Hospizhelferlehrgang werde ich noch belegen und mich hier im Ort der Sitzwachengruppe anschließen. Wollte ich eh schon länger machen.

 

Das erste Schlafwochenende bei der Lebenshilfe haben Steffi und Martin auch hinter sich. Eigentlich fanden sie es ganz toll mit anderen Kindern dort zusammen zu sein. Allerdings hat Martin erst mal einen Machtkampf wegen dem Toilettengang und Steffi mit der Nachtwache, wegen nicht einschlafen wollen und  zur Toilette gehen ,veranstaltet.

 

Naja, es wird sich einpendeln. Jedenfalls gehen Beide sehr gerne zu den Treffen, Kursen und Unternehmungen der Lebenshilfe und abgesehen, von den ziemlich hohen Kosten ( hier zahlt der Kreis davon nichts), ist es auch für uns Große ganz angenehm, mal wieder kurze Zeiten ohne die Kinder zu verbringen.

 

Steffi hat es nun das erste Mal mit einem grippalen Infekt so richtig erwischt, sodas sie ein paar Tage zu Hause bleiben musste, freiwillig nichts gegessen hat und sogar den ganzen Tag im Bett liegen geblieben ist. Inzwischen ist sie so vernünftig, dass ich sie auch schon mal eine halbe Stunde alleine lassen kann, sogar mehrmals am Tag, wenn ich zwischendurch wieder komme und ihr sage, dass ich z.B. nun noch schnell zum Bäcker oder mit den Hunden Gassi gehen muss. Sogar meine Pflegeeinsätze, die hier in der unmittelbaren Nachbarschaft statt finden, konnte ich- wenn auch mit schlechtem Gewissen- problemlos  machen.

 

Nun geht es Steffi wieder gut und ich bin dafür tüchtig am Husten und würde am liebsten zwei Wochen nur im Bett bleiben können.

 

Heimweh nach dem schönen Norden und unseren Freunden und Bekannten  haben wir alle immer noch sehr, ich wohl am dollsten. Wahrscheinlich war ich schon zu alt für solch einen Wechsel. Für mich hätte es jedenfalls nicht sein müssen.