Heiligs Blechle aber auch

Brigitte Betzel-Haarnagel, 1992

Dass Leichtsinn umgehend bestraft wird, musste ich heute Morgen auch mal wieder, dummerweise, persönlich erfahren.
 
Steffi hatte, wie so oft früh am Morgen nach dem Aufstehen, egal zu welcher Zeit wir aufstehen, aber es ist definitiv nie nach 6 Uhr, ihre Windel mal wieder randvoll und musste dementsprechend versorgt werden, inklusive duschen und Po eincremen.
 
Nachdem ich sie mühsam abgeduscht und abgetrocknet hatte, cremte ich mein Töchterlein, damit sie keine Spätschäden durch die vollen Windeln bekommt, am Po und Genitalbereich mit Penatencreme ein.
 
Eigentlich eine Sache, die regelmäßig zu unserem Morgenprogramm gehört.
 
Nach dem Eincremen setzte ich Steffi, wie an jedem Morgen auf die Toilette, für alle Fälle und zum üben. Ich zog ihr das momentane Lieblingsunterhemd, rosa mit Blümchen und ein frisches Sweatshirt an.
 
Martin saß auf seinem Toilettenstuhl, bei ihm klappt diese Angelegenheit schon wesentlich besser, und er blätterte in einer Autozeitung.
 
Diese Gelegenheit wollte ich nutzen um schnell den Frühstückstisch zu ende zu decken. Es waren ungefähr so in etwa 2 ½ Minütchen, die ich meine Kinderchen zwar im Ohr, aber nicht im Auge hatte an diesem Morgen. Dummerweise hatte ich ausgerechnet heute vergessen, die Cremedose wieder aufs Regal zurück zu stellen. Leider hatte ich sie auf dem Badewannenrand stehen lassen.
 
Da die Kleinen jeden Werktagmorgen pünktlich um 7.30 Uhr von einem Taxi oder dem hauseigenen Fahrdienst der Kita angeholt werden, ist unsere Zeit am frühen Morgen immer sehr voll bepackt und eigentlich auch immer viel zu knapp.
 
Nachdem ich alles Frühstücksmäßige auf dem Tisch verstaut hatte, ging ich zurück ins Badezimmer und stand fassungslos, mit offenem Mund vor meiner glücklich lächelnden Tochter.
 
Ihre Haare waren weiß meliert, das Gesichtchen so in etwa leichenblass. Ihr gerade noch frisches Sweatshirt hatte eine Menge weiser Schlieren bekommen und Steffis Beine, aber lassen wir das, schön war jedenfalls was anderes.
 
Die Beine kommen sowieso in die Jeans, sieht man auf den ersten Blick also nicht, Sweatshirts kann man wechseln, Steffis Haare allerdings mussten bleiben, wie sie sie nun so geschmackvoll eigenhändig dekoriert hatte, weiß und klebrig und eklig an zu schauen. Richtig peinlich fand ich das.
 
Unser Morgenpensum schafften wir gerade noch mal so, da hupte auch schon ein Auto im Hof.
 
Ich hatte einen Arzttermin und da auch ich umgehend das Haus verlassen musste, war auch ich eigentlich schon landfein gekleidet heute Morgen.
 
Nutzte mir aber gar nichts, weil mein schwarzer Pulli und die blaue Jeans so einiges durch der Reinigungsaktion an Steffi ab bekommen hatten.
 
Also, auch noch mal umziehen und hoffen, dass alles wieder so wird wie vorher, ohne weiße Streifen und sauber.