Ich habe geträumt

Brigitte Betzel-Haarnagel (März 2006)

In dieser  Nacht von Samstag auf Sonntag hatte ich einen wunderlichen Traum.

 

Ein Traum, indem meine Gefühle und Gedanken so realistisch waren, dass er immer noch in mir spukt, als sei er reine Realität gewesen.
 
Meine geliebte, pummelige Tochter Stefanie geht im Gleichschritt neben mir. Sie ist 20 Jahre alt, hat das Down-Syndrom, mit dem es ihr gut geht.
 
Sie hält sich streichelnd ihr Bäuchlein, schaut mich mit hren lieben Augen lächelnd an und sagt „Mama, Baby“.
 
Und sie ist tatsächlich schwanger in meinem Traum, und sehr zufrieden mit einem runden Babybäuchlein.
 
Wir gehen gemeinsam zu den Vorsorgeuntersuchungen, ich bin an ihrer Seite, als sie ein reizendes, kleines Mädchen schnell und unkompliziert zur Welt bringt und den ganzen Traum über, habe ich den Gedanken und die Sorge, dass Steffi dieses Engelchen doch gar nicht alleine versorgen kann und ich doch gar nicht weiß, ob ich noch lange genug lebe, so ein kleines Kindchen  groß zu ziehen und zu begleiten, bis es alleine weiter gehen kann auf seinem Lebensweg.
 
Aber, das kleine Mädchen wurde geboren in meinem Traum , und wir beide, Steffi und ich haben es liebevoll versorgt und es war kein negatives Gefühl dabei, nur Glück und Freude über dieses neue Leben.
 
Nun gehen mir ständig die Gedanken durch den Kopf, was macht Steffi in der Werkstatt, in den Pausen oder zwischendrin?
 
Hat sie tatsächlich eine so intime Beziehung, von der ich, und ihre Betreuer gar nichts wissen?
 
So rein prophylaktisch, einfach nur so, will ich Steffi keine Pille, keine Dreimonatsspritze  und keine Spirale verpassen lassen - es gibt ja auch reichliche Nebenwirkungen durch diese Verhütungsmittel- erst wenn ich wirklich wüsste, dass es einen so innigen Kontakt zu einem Herzbuben gäbe, dann würde ich mich schon darum kümmern.
 
Bislang ist es noch nie soweit gekommen, unter die Gürtellinie, aber wer weiß, Steffi  ist erwachsen, und wenn auch geistig behindert, sie ist eine hübsche, intakte, junge Frau.
 
In Ohnmacht würde ich sicher nicht fallen und Abtreibung könnte ich nie befürworten und ertragen, wenn denn tatsächlich dieses Traumkindchen unterwegs sein sollte. Auch wenn es, was ja gar nicht sicher wäre, behindert zur Welt käme.
 
Ich würde mir nur von Herzen wünschen, dass mir noch genug gesunde Lebensjahre geschenkt werden, diese Aufgabe erfüllen zu können. Und dass Steffi unser Mäuschen lange stillen kann und liebe haben kann.
 
Lieben würde meine Tochter ihr Kind, da bin ich mir sehr sicher, nur ohne Assistenz in allen Bereichen, könnte sie ihr Kindchen nie versorgen aufziehen.
 
Aber es wäre von ganzem Herzen willkommen, nicht nur im Traum.