Kaum zu glauben – das Amt, der Freund und Helfer

Brigitte Betzel-Haarnagel, Juli 2004

Eigentlich möchte ich ja gar nicht dauernd meckern und unzufrieden sein, aber im Laufe eines Lebens kommt hier an dieser Stelle doch Einiges zusammen, das, wenn ich es runterschlucke, Magenkrebs hervorrufen würde bei mir.

 

Nach unserem Umzug nach Baden Württemberg stellten wir im Ende des ersten Quartals 2003, an das für uns nun zuständige Jugendamt die Anfrage, wie es mit Martins finanzieller Absichersicherung sein wird, wenn er am 19.10.2004 volljährig geworden ist.

Da wir uns recht früh diesem Thema annahmen, dachten wir, die Zeit sei ausreichend um alles bis zu Martins 18. Geburtstag zu klären. Wäre ja auch toll gewesen, hätte es wirklich geklappt.

Nach ungefähr einem halben Jahr bekamen wir ein Schreiben, der nun für uns zuständigen Sozialarbeiterin, dem wir bis zu diesem Zeitpunkt durchaus wohlgesonnen waren.

Wir selber hatten keine Ahnung wie es nun aus finanzieller Sicht für Martin weiter gehen sollte, da Martin nur noch unser einziges Pflegekind ist. Mir fielen nur wieder einige Gespräche ein, die Peter Bartnik vom Bundesverband behinderter Pflegekinder und ich hatten, als ich 1986 den ersten Kontakt mit dem Bundesverband aufnahm.

Auch damals war dieses Thema höchst aktuell und es sah wohl in jedem speziellen Fall anders aus, aber leider nie zufrieden stellend.

Auf der, für unseren Wohnort zuständigen Behörde hatte aber anscheinend auch niemand wirklich Ahnung, will ich mal netterweise voraus setzen, ansonsten ist das was kam, für mich jedenfalls schon fast kriminell, wenn wohl auch legal.

Es gäbe die Möglichkeit der Sozialhilfe-Haushaltunterstand, oder die Möglichkeit, sich bei einer großen Einrichtung als Familienpflegestelle aufnehmen zu lassen, dann würden über den Landeswohlfahrtsverband so ca. 800 - 900 Euro monatlich zur Abdeckung von Martins Kosten gezahlt. Diese Einrichtung steht uns dann vor, Martin würde zwar bei uns leben, aber als Bewohner dieser Einrichtung.

Irgendwie kam uns alles merkwürdig vor, wir ließen aber zwei Mitarbeiter der Einrichtung einen Hausbesuch bei uns machen. Ich konnte mich nicht durchringen, ein Anmeldeformular zu unterschreiben.

Mit einer Pflegemutter unseres Verbandes, hier im Kreis lebend, sprach ich über das Problem und sie konnte nicht verstehen, wieso wir diese Probleme haben. Für ihre Pflegekinder ist eine andere Sozialarbeiterin gleicher Behörde zuständig, und die hätte von sich aus alles geregelt dass „die Hilfe für junge Erwachsene“ für diese Pflegekinder bewilligt wird.

Wieder einmal verstand ich die Welt nicht mehr. Eine Behörde, zwei Meinungen? Und die Kollegen tauschen sich anscheinend nicht aus, haben keine Fortbildungen und arbeiten sinn voll im gleichen Stil?

Noch ein Schreiben, einer anderen Mitarbeiterin der Behörde kam, mit dem Inhalt, dass es hier nur diese beiden Möglichkeiten gäbe. Keine weiteren Diskussionen.

Wir stellten schriftlich eine weitere Anfrage und bekamen erst mal nichts. Mahnten an, mahnten an, mahnten an und besuchten einen älteren Mitarbeiter dieser Behörde. Ein sehr netter Mensch, schon etwas älter. Ich erhoffte Hilfe von ihm.

Dann kam ein neues Schreiben, mit Inhalt, des es nun mal so sei, und wegen unserer steten Mahnungen, unser Schreiben zu beantworten, noch ein Satz.

Es gäbe wichtigeres zu erledigen, als sich um Martins Unterhalt zu kümmern.

Dann hatten wir den von Herrn Roos BVB entworfenen Antrag gestellt, an unsere Behörde und zuständigkeitshalber an den Landschaftsverband Rheinland.

Herr Roos telefonierte, dem Anschein nach erfolgreich, mit dem netten Mitarbeiter  unserer Behörde.

Unseren Antrag in Köln zu bearbeiten mussten wir an mahnen und durch ein Zufallstürchen auch richtig lesen lassen, den schon bei dem Wort Pflegekind hatte die zuständige Damen beschlossen, dass sie nichts damit zu tun hat, sondern nur unser Amt.

Diese Dame hat von März bis Juli gebraucht, um uns mitzuteilen, dass ab Volljährigkeit, um die es ja nun ging, ausschließlich die Behörde zuständig ist, in deren Einzugsbereich Martin lebt und in keinem Fall die Herkunftsbehörde.

Nun war auch mein ansonsten sehr ruhiger Mann, beleidigt und überlegte ernsthaft, das zuständige Sozialministerium einzuschalten, weil hier ja nun anscheinend gar nichts mehr klappt, außer den Türen.

Mein Mann versuchte den netten Mitarbeiter anzurufen, der Herrn Roos so quasi in die Leitung versprochen hat, dafür Sorge zu tragen, dass alles so verläuft wie beantragt und geplant.

Aber - er ist zwischenzeitlich in Pension gegangen, der Nachfolger weiß von nichts und die Dame, die eventuell etwas wissen könne, uns aber schon mal negativ beschieden hat, ist gerade im Urlaub.

Bin mal gespannt, mit wem wir uns dann prügeln müssen, wenn sie wieder gut erholt ins Amt zurück kommt.

Ich sehe auf alle Fälle nicht, dass Martin überhaupt von irgendwem unterhalten wird, wenn er 18 Jahre alt geworden ist. Das würde seine Freizeitaktivitäten bei der Lebenshilfe erheblich beschneiden, da wir selber nicht in der Lage sind, diese Kosten länger zu tragen und das tut mir sehr, sehr leid.

Außerdem finde ich es unmöglich, wie hier mit uns umgegangen wird und ich bin nicht gewillt, sollte sich diesen Monat nicht endlich etwas nach vorne zu bewegen, dies Sache einfach so auf sich beruhen zu lassen.

Das Sozialgericht wird umgehend von mir angerufen und einige politische Gremien werden von dieser Sache erfahren.

Es hat auch bis heute niemanden interessiert, dass eine Stelle der Behörde vernünftig arbeitet und dieses für uns nicht getan wird.

Sollte jemand von Euch/Ihnen nach diesem Antrag positive Resonanz erhalten haben, egal von wo - bitte teilt mir das Aktenzeichen und die Behörde mit, oder sendet mir vielleicht eine Kopie, damit wir beweisen können, das es tatsächlich so funktioniert.

Kann ja wohl echt nicht angehen, dass sich in 18 Jahren diesbezüglich nichts geändert hat.