Finanzielle Veränderungen mit dem 18. Lebensjahr

Auch wenn es ein langer, nerviger Prozess war, es hat sich auf alle Fälle gelohnt, noch einmal in Widerspruch zu gehen, zu dem Bescheid, der uns den Unterhalt für Martin, unseren lieben Pflegesohn, nachdem er nun 18 Jahre alt geworden ist um stolze 400 Euro gekürzt hatte. Nach Auffassung des Landratsamtes können nämlich nach Vollendung des 18. Lebensjahres nur noch Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch IX und nicht wie bisher nach dem Sozialgesetzbuch VIII gewährt werden.

 

Da Steffi und Martin auf alle Fälle noch bei uns zu Hause leben sollen, bis auch Martin im nächsten Sommer aus der Schule entlassen wird, die Kosten für Martin aber definitiv nicht weniger wurden, bloß weil er das 19. Lebensjahr erreicht hatte, unsere Arbeit mit und an Martin sich auch weiterhin im gleichen Rahmen bewegt, konnten wir es nicht einsehen, nun auf einmal weniger Leistung zu bekommen. Dies insbesondere auch, weil in § 41 Abs. 1 des Sozialgesetzbuches VIII ausdrücklich geregelt ist, dass auch jungen Volljährigen in der Regel bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch VIII zu gewähren sind, wenn die Hilfe aufgrund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist.

 

Es hatte eh schon lange genug gedauert, bis unser ursprünglicher Antrag überhaupt bearbeitet, dann auch noch ohne Vorwarnung erheblich gekürzt wurde, auch wenn angeblich die Gesetze dafür verantwortlich seien - es bedarf auf diesem Gebiet dringend so einiges an Reformen - fühlten wir uns sehr ungerecht behandelt.

 

Bei uns könnten eben nur Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch IX gewährt werden, weil Martin ja nie selbstständig werden könne. Eine Auseinandersetzung mit den Leistungsvorschriften des Sozialgesetzbuches VIII hielt das Amt offenkundig für nicht notwendig in unserem Fall.

Bums aus, damit waren die Herrschaften durch mit diesem Thema. Betrifft sie auch nicht persönlich, sind ja nur Akten.

 

So legten wir Widerspruch ein und mussten leider gleichzeitig so diverse Ungereimtheiten aufführen, die wir in den letzen beiden Jahren erfahren mussten.

 

Als wir nach mehreren Wochen nachfragten, wie es denn mit der Bearbeitung unseres Widerspruches aussähe, teilte die zuständige Dame uns mit, es läge noch kein Gutachten des Landesarztes für Behinderte vor, den hätte man eingeschaltet. Uns hatte man über dieses veranlasste Gutachten wohl versäumt, zu benachrichtigen.

 

Als der wirklich nette Professor dann seinen Hausbesuch (der erst mal ein unangenehmes Magenzwicken verursachte - Gott sei Dank vollkommen überflüssig) bei uns machte, sahen wir uns das Schreiben an, mit dem er vom Landratsamt aufgefordert wurde, für Martin ein Gutachten zu erstellen. Das Schreiben ist erst nach unserer Erinnerung an das Landesgesundheitsamt abgesandt worden. Hätten wir nicht wieder nachgehakt, hätte sich wohl wieder alles zeitmäßig um Monate verzögert- also wie gehabt. Keine Ahnung, was das ganze sollte. Zeit spielt hier, wenn ein Antragsteller etwas möchte, anscheinend keine Rolle, und ich dachte immer, das seien alles nur Witze die über Behörden gemacht werden .

 

Jedenfalls bekamen wir von dem Herrn Professor noch einige, für unsere individuellen Belange, sehr hilfreiche Tipps und das Gutachten fiel so aus, dass die ursprünglichen Kosten für Martin weiter bewilligt wurden, bis zum 21. Lebensjahr, wenn er solange bei uns lebt und weiterhin  die Schule besucht.

 

Inzwischen hat Martin ja bewiesen, dass er durchaus auch gewisse Dinge in der WfB gebacken bekommt, und das mit seinem Speicheln werden wir irgendwie auch gelöst bekommen. Außerdem bleibt ihm noch ein Jahr, indem er sich weiter entwickeln kann.

 

Es steht dem auch nichts mehr im Wege, dass Steffi und Martin in der gleichen Einrichtung aufgenommen werden können, da uns der Herr Professor den richtigen Ansprechpartner nannte, und diesen auch in einem Gespräch auf unser berechtigtes Anliegen hinweisen wollte.

 

Inzwischen sind glücklicherweise andere Menschen für diese Bearbeitung zuständig und uns sind mehrere Steine vom Herzen gefallen. Wir hatten diesbezüglich auch schon eine andere Aussage bekommen.

 

Anders sähe die Sache allerdings aus, wenn Martin überhaupt in keinster Art und Weise selbstständiges Handeln und Denken vorweisen könnte.

 

Wir können wirklich nur allen Pflege/Eltern ans Herz legen, nicht einfach alles zu schlucken und Kraft und Ausdauer zu investieren, um an ein berechtigt gefordertes Ziel zu kommen.

 

Bei uns hat sich das jetzt zumindest gelohnt, auch wenn es ein zeitweise sehr unangenehmes Umgehen mit dem Amt darstellte.

 

Nur gut, dass unsere Kiddis das nicht wirklich mit bekommen und verstehen.

 

Vielen Dank Herr Professor!!!

Es kostet einfach nur Kraft

Eigentlich möchte ich ja gar nicht dauernd meckern und unzufrieden sein, aber im Laufe eines Lebens kommt hier an dieser Stelle doch Einiges zusammen, das, wenn ich es runterschlucke, Magenkrebs hervorrufen würde bei mir.

 

Nach unserem Umzug nach Baden Württemberg stellten wir im Ende des ersten Quartals 2003, an das für uns nun zuständige Jugendamt die Anfrage, wie es mit Martins finanzieller Absichersicherung sein wird, wenn er am 19.10.2004 volljährig geworden ist.

Da wir uns recht früh diesem Thema annahmen, dachten wir, die Zeit sei ausreichend um alles bis zu Martins 18. Geburtstag zu klären. Wäre ja auch toll gewesen, hätte es wirklich geklappt.

Nach ungefähr einem halben Jahr bekamen wir ein Schreiben, der nun für uns zuständigen Sozialarbeiterin, dem wir bis zu diesem Zeitpunkt durchaus wohlgesonnen waren.

Wir selber hatten keine Ahnung wie es nun aus finanzieller Sicht für Martin weiter gehen sollte, da Martin nur noch unser einziges Pflegekind ist. Mir fielen nur wieder einige Gespräche ein, die Peter Bartnik vom Bundesverband behinderter Pflegekinder und ich hatten, als ich 1986 den ersten Kontakt mit dem Bundesverband aufnahm.

Auch damals war dieses Thema höchst aktuell und es sah wohl in jedem speziellen Fall anders aus, aber leider nie zufrieden stellend.

Auf der, für unseren Wohnort zuständigen Behörde hatte aber anscheinend auch niemand wirklich Ahnung, will ich mal netterweise voraus setzen, ansonsten ist das was kam, für mich jedenfalls schon fast kriminell, wenn wohl auch legal.

Es gäbe die Möglichkeit der Sozialhilfe-Haushaltunterstand, oder die Möglichkeit, sich bei einer großen Einrichtung als Familienpflegestelle aufnehmen zu lassen, dann würden über den Landeswohlfahrtsverband so ca. 800 - 900 Euro monatlich zur Abdeckung von Martins Kosten gezahlt. Diese Einrichtung steht uns dann vor, Martin würde zwar bei uns leben, aber als Bewohner dieser Einrichtung.

Irgendwie kam uns alles merkwürdig vor, wir ließen aber zwei Mitarbeiter der Einrichtung einen Hausbesuch bei uns machen. Ich konnte mich nicht durchringen, ein Anmeldeformular zu unterschreiben.

Mit einer Pflegemutter unseres Verbandes, hier im Kreis lebend, sprach ich über das Problem und sie konnte nicht verstehen, wieso wir diese Probleme haben. Für ihre Pflegekinder ist eine andere Sozialarbeiterin gleicher Behörde zuständig, und die hätte von sich aus alles geregelt dass „die Hilfe für junge Erwachsene“ für diese Pflegekinder bewilligt wird.

Wieder einmal verstand ich die Welt nicht mehr. Eine Behörde, zwei Meinungen? Und die Kollegen tauschen sich anscheinend nicht aus, haben keine Fortbildungen und arbeiten  sinnvoll im gleichen Stil?

Noch ein Schreiben, einer anderen Mitarbeiterin der Behörde kam, mit dem Inhalt, dass es hier nur diese beiden Möglichkeiten gäbe. Keine weiteren Diskussionen.

Wir stellten schriftlich eine weitere Anfrage und bekamen erst mal nichts. Mahnten an, mahnten an, mahnten an und besuchten einen  Mitarbeiter dieser Behörde. Ein sehr netter Mensch, schon etwas älter. Ich erhoffte Hilfe von ihm.

Dann kam ein neues Schreiben, mit Inhalt, des es nun mal so sei, und wegen unserer steten Mahnungen, unser Schreiben zu beantworten, noch ein Satz.

Es gäbe wichtigeres zu erledigen, als sich um Martins Unterhalt zu kümmern.

Dann hatten wir den von Herrn Roos BVB entworfenen Antrag gestellt, an unsere Behörde und zuständigkeitshalber an den Landschaftsverband Rheinland.

Herr Roos telefonierte, dem Anschein nach erfolgreich, mit dem netten Mitarbeiter  unserer Behörde.

Unseren Antrag in Köln zu bearbeiten mussten wir an mahnen und durch ein Zufallstürchen auch richtig lesen lassen, den schon bei dem Wort Pflegekind hatte die zuständige Damen beschlossen, dass sie nichts damit zu tun hat, sondern nur unser Amt.

Diese Dame hat von März bis Juli gebraucht, um uns mitzuteilen, dass ab Volljährigkeit, um die es ja nun ging, ausschließlich die Behörde zuständig ist, in deren Einzugsbereich Martin lebt und in keinem Fall die Herkunftsbehörde.

Nun war auch mein ansonsten sehr ruhiger Mann, beleidigt und überlegte ernsthaft, das zuständige Sozialministerium einzuschalten, weil hier ja nun anscheinend gar nichts mehr klappt, außer den Türen.

Mein Mann versuchte den netten Mitarbeiter anzurufen, der Herrn Roos so quasi in die Leitung versprochen hat, dafür Sorge zu tragen, dass alles so verläuft wie beantragt und geplant.

Aber - er ist zwischenzeitlich in Pension gegangen, der Nachfolger weiß von nichts und die Dame, die eventuell etwas wissen könne, uns aber schon mal negativ beschieden hat, ist gerade im Urlaub.

Bin mal gespannt, mit wem wir uns dann prügeln müssen, wenn sie wieder gut erholt ins Amt zurück kommt.

Ich sehe auf alle Fälle nicht, dass Martin überhaupt von irgendwem unterhalten wird, wenn er 18 Jahre alt geworden ist. Das würde seine Freizeitaktivitäten bei der Lebenshilfe erheblich beschneiden, da wir selber nicht in der Lage sind, diese Kosten länger zu tragen und das tut mir sehr, sehr leid.

Außerdem finde ich es unmöglich, wie hier mit uns umgegangen wird und ich bin nicht gewillt, sollte sich diesen Monat nicht endlich etwas nach vorne zu bewegen, dies Sache einfach so auf sich beruhen zu lassen.

Das Sozialgericht wird umgehend von mir angerufen und einige politische Gremien werden von dieser Sache erfahren.

Es hat auch bis heute niemanden interessiert, dass eine Stelle der Behörde vernünftig arbeitet und dieses für uns nicht getan wird.

Sollte jemand von Euch/Ihnen nach diesem Antrag positive Resonanz erhalten haben, egal von wo - bitte teilt mir das Aktenzeichen und die Behörde mit, oder sendet mir vielleicht eine Kopie, damit wir beweisen können, das es tatsächlich so funktioniert.

Kann ja wohl echt nicht angehen, dass sich in 18 Jahren diesbezüglich nichts geändert hat.

 

Der Bundesverband behinderter Pflege und Adoptivkinder in Papenburg hat sich diesem Themas auf sozialpolitischer Eben angenommen und wir können nur für alle Pflegekinder hoffen, dass für sie, wenn sie volljährig geworden sind.  finanziell so weiter gesorgt wird, wie vor erreichen der Volljährigkeit, bis sie, sofern dies möglich ist, auf einen Beinen stehen können und ihren Lebensunterhalt selber erarbeiten können.